Poetry Slammer von Zufalls Gnaden

Der Ulmer Poetry Slammer Andreas Rebholz wollte mit dem ersten Slam ein Mädchen beeindrucken. Das ist sieben Jahre her – mittlerweile stand der 27-Jährige vier Mal im Finale der Landesmeisterschaften im Poetry Slam und einmal im Halbfinale der Deutschen Meisterschaften.

Von Lukas Wetzel und Rebecca Jacob.

heimherz: Lieber Andreas, Du bist in Sigmaringendorf aufgewachsen. Wir war deine Kindheit auf dem Dorf?

Andreas Rebholz: Es war wunderbar, ich kann mich nicht beklagen. Ich habe eine typische Dorfkindheit genossen. Es ist aber auch sehr gut, etwas anderes zu sehen, nicht das ganze Leben dort zu verbringen. Ich gehe aber immer noch gern in die Heimat, bin dann gerne draußen zum Sport oder Angeln.

Du bist Sohn eines Bäckers, studierst nun aber Nachhaltige Unternehmensführung im Master. Warum hast Du nicht Bäcker gelernt?

Das war relativ früh klar, es hat mir nie so viel Spaß gemacht, ich koche lieber, als ich backe. Ich habe aber viel mitgeholfen in der Backstube. Mein Bruder hat übrigens Bäcker gelernt.

Wie bist Du auf deine Studienwahl gekommen?

Ich wollte in die wirtschaftliche Richtung gehen, aber nicht klassisch BWL studieren. Von meiner ländlichen Prägung her habe ich mich zudem sehr für Umweltthemen interessiert.

Spielt das Thema „Umwelt“ bei deinem Poetry Slam eine Rolle?

Vielleicht fließt es unterbewusst ein, durch meine Persönlichkeit. Ich habe aber noch nie gesagt: „Da muss jetzt noch ne Umwelt-Line rein, da muss ich jetzt noch was über Biomüll schreiben.“

Wie bist Du zum Poetry Slam gekommen?

Durch Zufall. Ich habe vorher schon Gedichte geschrieben, konnte gut reimen. Vor etwa sieben Jahren war ein Slam in Göggingen. Ich wollte auf jeden Fall mitmachen – und damit ein Mädchen beeindrucken. Der erste Auftritt war dann aber nicht so gut. Ein Jahr später bin ich wieder angetreten, wollte zeigen, dass ich es besser kann. Diesmal kam es sehr gut an. Ein Slammer, der selbst viele Slams veranstaltet, kam auf mich zu und lud mich zu meiner ersten kleinen Tour ein.

Ist es mit dem Mädchen etwas geworden?

Ja, es ist sogar schon im ersten Jahr etwas geworden – trotz des Auftritts. Aber mittlerweile ist nichts mehr zwischen uns.

Was macht Dir am Poetry Slam Spaß?

Die Leute. Neben meinem eigentlichen Freundeskreis habe ich noch einen Freundeskreis in der Slammer-Szene. Als ich noch in Geislingen studiert hatte, war der Poetry Slam unglaublich wichtig. Denn Geislingen ist keine so schöne Stadt. Durch den Poetry Slam war ich am Wochenende zweimal in anderen Städten, bekam Anfahrt und Unterkunft bezahlt, zudem Spesen und eine Gage. Das waren ultraschöne Wochenenden.

Wie zeitaufwendig ist der Poetry Slam? 

Ich betreibe es als Hobby nebenher. Der Zeitaufwand hängt davon ab, wie viel man tourt. Wenn man eine Weile dabei ist, hat man den Luxus, das selber zu steuern. Man muss niemanden mehr anfragen, ob man auftreten kann, sondern die Veranstalter kommen auf einen zu. Man kennt sich in der Szene unglaublich gut. Derzeit trete ich ein bis zwei Mal die Woche auf; es gab schon Phasen mit vier Mal die Woche. Weitere Zeit kostet das Schreiben der Texte, ich schreibe und entwickle zwei bis drei für eine Saison.

Sind deine Slams eher witzig oder ernst?

Ich mache lieber die unterhaltenden, witzigen, leichten Sachen. Aber: Etwas Witziges zu machen, kann manchmal gar nicht so witzig sein. Die schlimmste Tragödie ist, wenn ich einen neuen Text ausprobiere und Gags einbaue, die aber nicht funktionieren. Man weiß erst, ob etwas vor Publikum funktioniert, wenn man es davor ausprobiert hat.

Hast Du Dir mit der Zeit ein dickes Fell zugelegt?

Man lernt, damit umzugehen, wenn man öfters auftritt. Das hängt auch vom Publikum ab: Manchmal brennt die Bude und manchmal beim selben Text nicht.

Trägst Du deine Slams auswendig vor?

Ja, ich verzichte auf einen Zettel.

Hast Du schon einmal einen Blackout gehabt?

Nein, noch nie. Es kam aber vor, dass ich bei gereimten Sachen mal einen Abschnitt vergessen habe. Dann lässt man ihn entweder ganz weg oder setzt ihn an einer anderen Stelle wieder rein.

 

Andreas Rebholz hat sich im Video unserem Fragen-Quickie gestellt:

Einen Live-Auftritt von Rebholz gibt es hier zu sehen: