Ihre Heimat ist der Zirkus

Sieben Monate im Jahr tourt Jana Mandana Lacey-Krone durch Deutschland – den Rest der Zeit lebt sie in München. An ihrem Leben können sich viele Menschen ein Beispiel nehmen, was das Zusammenleben angeht.

Von Johannes Ihle.

Der Alltag von Jana Mandana Lacey-Krone startet, wie der von anderen Menschen auch. Um kurz vor 7 Uhr klingelt der Wecker. Anschließend Frühstück mit der Familie, um 8 Uhr beginnt die Arbeit. Doch der Ort, an dem ihr Alltag stattfindet, ändert sich wöchentlich. Mit „dem größten Zirkus der Welt“ zieht sie Woche für Woche von Stadt zu Stadt. Mit mehr als 200 Mitarbeitern reist die 39-Jährige von April bis Oktober durch Deutschland. Ihr Unternehmen gleicht einem kleinen Dorf. Umgeben von Elefanten, Pferden, einem Nashorn und zahlreichen Raubtieren, lebt sie dort mit ihrem Mann Martin Lacey jr. und ihrem zehnjährigen Sohn Alexis. Ihr Mann kümmert sich um die Tiger und Löwen, sie hat ihr Herz an die Pferde und Elefanten verloren.

Der Begriff Heimat hat bei Jana Mandana Lacey-Krone viele Bedeutungen. Aufgewachsen in der Zirkuswelt, leitet sie seit dem Tod ihrer Adoptivmutter Christel Sembach-Krone im vergangenen Sommer die Geschicke des Zirkus Krone. „Heimat bedeutet für mich schon meine Heimatstadt München, in der ich ja auch fünf Monate im Jahr lebe. Aber Heimat ist für uns Zirkusmenschen auch die Manege. Dort wo man seine Arbeit macht, mit seiner Familie und seinen Kollegen lebt und sich wohlfühlt. Wir reisen mit unserer Heimat in verschiedene Städte“, sagt die Frau mit dem exotischen Namen, als sie einen der Hunde streichelt, die durch das Wohnwagen-Büro laufen. Während sie in der Manege Glitzer-Kleider und hohe Schuhe trägt, sitzt sie in ihrem Büro in einem lockeren Freizeitoutfit und Turnschuhen, die Haare zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden.

Für den Sohn ist alles normal

Für ihren Sohn ist die doch etwas andere Lebensweise in der Zirkuswelt mit dem vielen Reisen ganz normal. „Wir haben eine Zirkusschule mit einer Lehrerin dabei. Er muss nicht in jeder Stadt an eine neue Schule“, sagt Lacey-Krone. In der Zeit in München geht er auf eine normale Schule. „Das haben wir gleich von Anfang an geregelt, damit er zum einen Anschluss hat und zum anderen damit er sieht, was eigentlich normal ist.  Nicht dass draußen ein Nashorn vorbei läuft, während man in einem Wohnwagen eine Mathe-Arbeit schreibt.“

An ihre Schulzeit erinnert sich die Chefin des Zirkus gerne zurück. „Zu der Zeit, als ich hier noch zur Schule gegangen bin, hatten wir noch eine Giraffe. Manchmal stand der Schulwagen so, dass man die Giraffe beobachten konnte. Das war toll“, sagt Jana Mandana Lacey-Krone mit Funkeln in ihren Augen. Dass sie Karriere in der Zirkuswelt machen wird, war schon früh klar. Schon als Baby kam Lacey-­Krone zum Zirkus. Seitdem sie drei Jahre alt ist, tritt sie in der Manege auf. „Ich wusste gleich: Es gibt nichts anderes für mich.“

 

„Man lernt viele verschiedene Bräuche kennen, das Essen schmeckt bei jedem anders.“
Jana Mandana Lacey-Krone, 39 Jahre

Das Tolle am Leben in der Zirkuswelt sei, dass alle Facetten bedient werden. Alle Altersgruppen, zahlreiche Nationalitäten, Religionen und verschiedene Schichten lassen sich im Dorf „Krone“ finden. „Viele Leute bei uns sind fern von ihrer Heimat und richten sich hier dann eine zweite Heimat ein mit einem anderen Bekannten- und Freundeskreis“, sagt Lacey-Krone. Der Austausch untereinander gefällt der Chefin. „Man lernt viele verschiedene Bräuche kennen, das Essen schmeckt bei jedem anders.“ Auch der Humor spiele eine große Rolle. „Die Chinesen lachen über ganz andere Dinge als die Italiener. Ich finde, man sollte sich ein Beispiel am Zirkus nehmen, dass so ein Zusammenleben wirklich funktionieren kann, weil wir einander brauchen – und den nötigen Respekt vor jedem haben.“

Am liebsten bei den Pferden im Stall

Rund sieben Monate im Jahr ist der Zirkus Krone in Deutschland unterwegs. Jana Mandana Lacey-Krone hat in ihrem Leben vieles gesehen. Einen Lieblingsort außerhalb ihrer Zirkuswelt hat sie nicht. „Schön ist es vor allem dort, wo das Geschäft läuft“, sagt die Geschäftsfrau und lacht. „Aber wenn ein See in der Nähe ist oder man mal an der Ostsee verweilt, ist das auch nicht schlecht“, fügt sie an. „Für mich ist es auch immer schön, wenn ich weiß, dass ich mit meinen Pferden ausreiten kann.“ Und innerhalb des eigenen Dorfs? „Am liebsten bin ich bei meinen Tieren im Stall. Und wenn man mich sucht, bin ich auch meistens im Stall. Was wir von den Tieren bekommen, gibt uns die Energie, das alles zu machen.“

Bleibt bei Aufbau, Training und den zahlreichen Auftritten auch noch Zeit, sich die wöchentlich wechselnde Stadt anzuschauen? „Auf jeden Fall, das finde ich ganz wichtig. Vor allem unsere Artisten können das machen. Die haben nur die zwei Vorstellungen am Tag. Die können den ganzen Vormittag auf Expedition gehen.“

 

Fotos: David Heil