Freiheit, Gänsehaut und Sofortbildkamera

Dorothee Röder und Martin Geier aus Fürth sind leidenschaftliche Poetry-Slammer. Wie die beiden zum Poetry Slam gekommen sind, was ihn ausmacht und wie die Themenfindung funktioniert, verraten sie im Interview.

Von Johannes Ihle.

 

 

heimherz: Poetry Slams werden immer beliebter und finden immer mehr Anhänger. Wie seid ihr zum Poetry-Slam gekommen?

Martin Geier: Ich kam 2005 zum Poetry Slam. Ich war in der Brüderschaft der Poesie, einem Club von Leuten, die sich jeden Donnerstag getroffen haben und selbstgeschriebenes Zeug ausgetauscht haben. Und einer hatte mal gehört, dass es so etwas wie Poetry Slam gibt. Dann sind wir da mit einem Bus hingefahren und haben es uns das angeschaut. Wir waren alle so begeistert, dass wir uns dachten: Das machen wir bei uns auch. Dreieinhalb Monate später haben wir bei uns einen Poetry Slam gegründet und sind dort aufgetreten.

Dorothee Röder: Vor knapp zwei Jahren wollte ich mich mit einem Kumpel treffen, der zufälligerweise genau an diesem Abend bei einem Poetry Slam aufgelegt hat. Also musste ich quasi mit, fand es dann aber direkt toll. Ich habe zu der Zeit abends immer arbeiten müssen und hatte deshalb leider nie Zeit für Slams.  Jetzt, wo ich wieder zur Schule gehen, habe ich Zeit und stand deshalb im Oktober letzten Jahres das erste Mal auf einer Bühne.

Doro Röder ist noch neu in der Slammer-Szene. Doch gleich bei ihrem ersten Auftritt sorgte sie für Furore.                                             Foto: privat

 

heimherz: Die Slammer-Welt ist ja eine große Familie. Woher kennt ihr beiden euch?

Röder: Von meinem ersten Slam. Und ich habe ihn direkt fertig gemacht. (Lacht)

Geier: Sie hat gut abgeliefert. Das war ein Special-Format wo nur vier Leute am Start waren. Zwei Duelle in der Vorrunde, ein Duell um den dritten Platz und eins um den Sieg. Doro hat mich im Finale geschlagen.

Röder: Ich habe so eine Art Ritual. Mit den Leuten, mit denen ich im Finale oder so war, habe ich ein Foto gemacht mit einer Sofortbildkamera. Und das allererste Foto habe ich mit Martin gemacht. Er hat es mir dann noch unterschrieben, weil ich so stolz war, dass ich mit so einer Berühmtheit auf der Bühne gestanden habe.

 

heimherz: Poetry Slam lebt von Poesie, Kreativität und Interaktion. Was macht den Poetry Slam für euch aus?

Röder: Für mich ist es die künstlerische Freiheit und auch der Reiz, dass man direktes Feedback bekommt. Es ist schön, wenn Menschen nach dem Auftritt zu einem kommen und sagen, der Text hat sie bewegt und berührt. Das kriegst du sonst nicht. Beim Gedanken daran, kriege ich voll Gänsehaut.

Geier: Volle Säle sind auch toll. Wenn das Publikum aufsteht, klatscht, trampelt. Aber auch kleine Slams in Jugendzentren oder Cafes, die einen Lesecharakter haben. Der Poetry Slam ist sehr facettenreich.

Röder: Es ist auch nicht alles biographisch. Das macht es ebenfalls spannend. Du weißt nie, ob es der Wahrheit entspricht oder ob der Text erfunden ist.

 

Martin Geier treibt bereits seit 2005 sein Unwesen in der Poetry-Slam-Szene.                                 Foto: privat

heimherz: Bei unserer heimherz-Veranstaltung dreht sich alles um das Thema „Heimat“. Wie findet ihr Themen für eure Texte?

Röder: Ich habe einen Workshop besucht, in dem ich gelernt habe, wie ich mich hinsetzen kann und mit einem Stichwort einen Text entwickle. Das funktioniert wirklich. Persönlich finde ich die Geistesblitze, die man hat, oder wenn man sich über etwas aufregt, sehr hilfreich. Oder eben Themen-Slams wie Heimat, das fällt mir immer leichter.

Geier: Auch aktuelle Nachrichten, die einen aufregen, können Texte liefern. Oder Erlebnisse auf Partys.

 

heimherz: Als Slammer ist man bestimmt viel unterwegs. Wie oft tretet ihr auf?

Röder: Ich slame ja nicht beruflich. Ich mache das mehr spontan und springe oft ein, wenn jemand fehlt. Dort passiert es dann, dass mich jemand für einen anderen Slam einlädt.

Geier: Zwischen September und April ist die Quote höher. Ich habe das auch mal so semiprofessionell mit BahnCard 100 gemacht und bin durch ganz Deutschland getourt. Da hatte ich dann so 15 Auftritte im Monat. Das muss man dann aber auch machen, damit es sich lohnt. Da blieb wenig Zeit für anderes. Ein guter Schnitt ist zwischen vier und sieben Auftritten. Da kann man sein normales Leben ganz gut führen. Es bietet jungen Leuten die Möglichkeit, viel zu sehen. Das ist schön.

 

 

Wenn ihr Dorothee Röder und Martin Geier live sehen wollt, kommt zu unserer heimherz-Veranstaltung am 16. Juni! Alle Infos dazu gibt’s hier.